Herzmitte

Das Wort Barmherzigkeit ist das Stichwort des Jahres 2016. Zumindest, wenn man dem Anliegen von Papst Franziskus folgt. Manche glauben, es bedeute Mitleid mit den Armen, den Zukurzgekommenen. Wenn wir uns biblisch orientieren, dann steht für Barmherzigkeit, bzw. Mitleid der Ausdruck „rachamim“. Das hebräische Wort ist abgeleitet von Mutterschoß; womit auch die Eingeweide des Menschen gemeint sein können. Sie gelten als Sitz der Gefühle. Auch das Herz ist nicht nur ein Organ, sondern es ist die Mitte des Menschen. Aus dem Herzen entspringen die Gefühle und die Urteilskraft. Barmherzig sein hat biblisch gesehen mit uneigennützig, sanftmütig, mitfühlend, menschenfreundlich, liebenswürdig zu tun. Wer Barmherzigkeit zum Leitprinzip wählt, kommuniziert auf Augenhöhe. Er handelt nicht mildtätig herablassend, sondern, respektvoll, wertschätzend, entgegenkommend. Von daher gilt: Es gibt keine Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit. „Die Gerechtigkeit ist das Minimalmaß, wie man sich verhalten muss gegenüber anderen. Die Barmherzigkeit ist das Maximum“ (Walter Kasper). Im Lukasevangelium – in meiner Lieblingsstelle – klingt das so: „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höre um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens“ (vgl. Lk 1, 78f). Barmherzigkeit ist das Charakteristikum Gottes und zugleich unsere edelste Handlungsmaxime. Es ist, als ob uns Gott für einen winzigen Augenblick, für einen Hauch nur, in sein Innerstes, in sein Herz schauen ließe.

Herzmitte.

Gabriela Grunden